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Diskursguide

"VITAL SIGNS – ZWISCHEN KOLLAPS UND AUFBRUCH"

Das Diskursprogramm widmet sich 2026 den Lebenszeichen unserer Zeit und der Frage, wie sich Lebendigkeit in Systemen finden oder herstellen lässt, die vielerorts erschöpft wirken und unter großem Druck stehen: in der Wirtschaft und im Klima, in politischen Institutionen, in medialen Öffentlichkeiten oder im zwischenmenschlichen Zusammenleben.

Deshalb stellt Elevate 2026 in Vorträgen, Diskussionen, Workshops, Film-Screenings und Performances die Frage: Was bedeutet es in Zeiten gesellschaftlicher Erschöpfung, systemischer Krisen und politischer Regression, lebendig und handlungsfähig zu sein - körperlich, sozial, kulturell, politisch? Dazu wird der Heimatsaal im Grazer Volkskundemuseum wieder drei Tage lang zum Diskussionsort, mit nationalen wie internationalen Gästen.
 


Welche Zeichen des Aufbruchs und der Regeneration lassen sich jenseits normativer Konzepte von Gesundheit, Produktivität oder Effizienz wahrnehmen? Welche wirksamen Szenarien lassen sich entwickeln, wenn künstliche Widersprüche zwischen Klima und Wohlstand, Innovation oder Regulierung, Sicherheit oder Sozialstaat endlich überwunden werden? Wirtschaftspolitisch, in der Demokratie, im Digitalen oder in Sicherheitsfragen sind die Herausforderungen groß, aber ebenso vielfältig sind die Fähigkeiten, Neues zu gestalten.

Auch wenn es manchmal nicht so scheint: Die Welt ist voller Lösungen, und für Pessimismus ist es zu spät.
 

Donnerstag: Ozeanisches Hören, liebevolle Weltbeziehungen und ein Weckruf für die Demokratie

Der erste Festivaltag startet mit einem immersiven Workshop zum Projekt “Radio Amnion” des international tätigen Kanadischen Künstlers und Forschers Jol Thoms, dessen Arbeiten u. a. bei der Biennale di Venezia und an Institutionen wie Tate Modern präsentiert wurden. Begleitet wird er dabei von Denise Helene Sumi vom Weibel Institut für digitale Kulturen der Universität für angewandte Kunst Wien. “Radio Amnion” ist ein mehrjähriges Soundkunstprojekt, das Kompositionen zeitgenössischer Künstler:innen über ein versenktes Neutrinoteleskop mehr als 2 km tief in den Pazifik überträgt. In einer gemeinsamen Listening Session und Diskussion wird erfahrbar, wie ozeanisches Hören uns dafür sensibilisieren kann, den Planeten als lebendig zu verstehen.

Es folgt eine Keynote von Cathryn Clüver Ashbrook. Die deutsch-amerikanische Politikwissenschaftlerin gilt als eine der profiliertesten transatlantischen Stimmen der Gegenwart. Sie ist gefragte Kommentatorin in renommierten Medien wie der Financial Times, New York Times und Washington Post und vielfach im Fernsehen (ORF, ARD, ZDF, CNN, BBC) präsent. In ihrem Buch “Der Amerikanische Weckruf” zeigt sie, wie die amerikanische Demokratie gezielt ausgehöhlt wird und warnt davor, dass die selben Muster auch in Europa Einzug halten. 

Am Panel “Everybody Shaking: widerständige Lebenslust, liebevolle Weltbeziehungen” finden anschließend Body Politics, Critical Care und mehr-als-menschliche Beziehungen zueinander. Simon(e) van Saarloos, Schriftsteller:in und Autor:in von “Against Ageism. A Queer Manifesto”, hinterfragt normative Vorstellungen von Alter und Beziehungen. Andrea Schöne, Autorin, Journalistin und politische Bildnerin, bringt Perspektiven von Inklusion und (Öko)Ableismus ein. Jol Thoms, Künstler und Forscher, teilt den Blick auf Care als Beziehung zwischen menschlichen und mehr-als-menschlichen Welten. Moderiert von Elevate Kuratorin und Transformationspsychologin Irina Nalis fragt das Panel, wie “Vital Signs" zu widerständigen Formen von Lebendigkeit werden können.

Bevor es mit dem Programm in der List Halle weitergeht, zeigt Elevate im Heimatsaal die Dokumentation “Yanuni”. Der österreichische Regisseur Richard Ladkani (Sea of ShadowsThe Ivory Games) erzählt darin die Geschichte von Juma Xipaia, einer indigenen Anführerin aus dem Herzen des Amazonas. Produziert unter anderem von Leonardo DiCaprio, wurde der Film weltweit auf über zwanzig Festivals ausgezeichnet und steht auf der Oscar-Shortlist als Bester Dokumentarfilm.
 


Festival Eröffnung in der Helmut List Halle

Für die diesjährige Eröffnungszeremonie wandert das Elevate am Donnerstag Abend erstmals in die Helmut List Halle. Durch den Abend führt der österreichische Molekularbiologe, Autor und Wissenschaftskabarettist Martin Moder. Diskurs-Kuratorin Irina Nalis und Elevate-Mitgründer Bernhard Steirer geben einen Ausblick auf das restliche Festivalprogramm. Die Eröffnungsrede hält die freie Journalistin und Autorin Şeyda Kurt die in ihren Bestsellern Radikale Zärtlichkeit – Warum Liebe politisch ist (2021) und HASS – Von der Macht eines widerständigen Gefühls (2023) die politischen Dimensionen von Liebe und Hass untersucht.
 


Freitag: Designing after collapse, Broligarchie und autoritäre Fantasien

“For them, the future of technology is about only one thing: escape from the rest of us.” Douglas Rushkoff, Survival of the Richest

Der Freitag startet mit dem Workshop “Desgning after collapse”. Studierende des  Bachelors Informationsdesign präsentieren dabei erste Ergebnisse eines parallel an der FH JOANNEUM stattfindenden Kurses. Ausgangspunkt ist ein spekulatives Szenario, in dem das Internet dauerhaft abgeschaltet ist. Vor diesem Hintergrund untersucht der Workshop, wie “Vital Signs” in sozialen, technologischen und organisatorischen Systemen erkennbar bleiben oder neu entstehen können. Gemeinsam mit den Lehrenden Birgit Bachler, Andreas FörsterChad Reichert, sowie dem Designer und Designtheoretiker Harald Gründl eröffnet der Workshop einen Raum für Austausch über die Rolle von Design, wenn gewohnte Systeme nicht mehr vorausgesetzt werden können.
 

Vibe Shift, really?

Im Einstiegspanel Vibe Shift, really?: Broligarchie, Tech-Macht und autoritäre Fantasien” analysiert Christian Schiffer, Journalist und Grimme-Preisträger (Die Peter Thiel Story), die politische Kultur digitaler Öffentlichkeiten und techno-autoritäre Tendenzen. Wolfgang Palaver, Theologe und Konfliktforscher, ordnet die ideologischen Grundlagen dieser Machtfantasien ein und beleuchtet ihre Nähe zu US-amerikanischen Tech-Eliten und politischen Akteuren. Anna-Verena Nosthoff, Juniorprofessorin für Ethik der Digitalisierung und Ko-Direktorin des Critical Data Lab, forscht u.a. zu Tech-Autoritarismus und untersucht den gesellschaftlichen Einfluss der Tech-Unternehmen und die digitale Transformation der Öffentlichkeit. Moderiert von Sarah Kriesche (Ö1) fragt das Gespräch, ob der sogenannte Vibe Shift eine reale Zeitenwende markiert oder eine Erzählung ist, die autoritäre Lösungen als technologischen Fortschritt tarnt und was es bedeutet, wenn digitale Innovationen mit autoritären Fantasien verschmelzen.

Über die Rolle der US-Tech-Eliten bei der Aushöhlung demokratischer Institutionen diskutiert anschließend auch Douglas Rushkoff. Mit ihm, ist einer der international einflussreichsten Medien- und Technologietheoretiker am Elevate zu Gast. Seit den frühen 1990er-Jahren begleitet und analysiert Rushkoff die digitalen Transformationen unserer Gesellschaft – von den ersten Netzkulturen über die Versprechen der Plattformökonomien bis hin zu den aktuellen techno-autoritären Tendenzen im Silicon Valley. In Büchern wie "Throwing Rocks at the Google Bus", "Team Human" oder seinem viel diskutierten Essay "Survival of the Richest" setzt er sich kritisch mit den Ideologien der Tech-Industrie auseinander und zeigt, wie sich deren Machtstrukturen auf soziale, politische und ökonomische Beziehungen auswirken. 

Mittlerweile zur Tradition geworden, ist der Netzpolitische Abend in Kooperation mit epicenter.works und Spektral auch dieses Jahr wieder Teil des Programms am Freitag und bietet unter der Moderation von Elisabeth Kury Einblicke in aktuelle netzpolitische Themen. Sebastian Kneidinger spricht unter anderem über Angriffe auf die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung).
 


Samstag: Europas Handlungsfähigkeit, regeneratives Wirtschaften und eine Antwort auf die Politik der Polarisierung

Am Samstagvormittag lädt die amerikanisch-chinesische Künstlerin Mary Maggic zum “blind creation Workshop “Feeling Our Way Forward”. Mit verbundenen Augen nutzen die Teilnehmenden den Körper als Quelle sensorischer Weisheit und stellen sich vor, wie wir in unsicheren Welten gemeinsam überleben könnten. Dabei entsteht eine kollektive Skulptur, die Unsicherheit, Verletzlichkeit und gegenseitige Abhängigkeit als kreative Kräfte erfahrbar macht, während visuell geprägte Wissenswege hinterfragt und verkörperte, relationale Formen des Weltgestaltens in den Vordergrund gerückt werden.

Im Anschluss geht es im Gespräch mit der Autorin, freien Journalistin und Podcasterin Gilda Sahebi weiter. Die ausgebildete Ärztin und Politikwissenschaftlerin entlarvt in ihrem aktuellen Spiegelbestseller „Verbinden statt spalten: Eine Antwort auf die Politik der Polarisierung” die scheinbar allgegenwärtige Polarisierung als politisch konstruiert und medial verstärkt und diskutiert Wege, den Alltag und öffentlichen Diskurs stärker auf Verbindendes auszurichten.

Im Panel “Europas Fähigkeit zu handeln: Krieg, Wirtschaft und brüchige Allianzen” diskutieren Sven Biscop, Experte für europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik und Dmitry Nekrasov, Ökonom mit Fokus auf die russische Wirtschaft, Sanktionsregime und Geoökonomie. Moderiert von Stefan Lenglinger (ORF / Zeit im Bild) fragt das Panel, ob Europa seine Krisen nur verwaltet oder ob es gelingen kann, daraus neue Formen politischer Handlungsfähigkeit zu entwickeln.
 


Zukunft ist keine Mangelware

Unter dem Titel “Zukunft ist keine Mangelware: Regeneratives Wirtschaften statt Resignation” geht es anschließend um die Frage nach konkreten Möglichkeiten für ein regeneratives Wirtschaften. 

Im Gespräch: Ilona Otto, Soziologin und Klimawissenschaftlerin, Georg Günsberg, Klimaökonom und Mitgründer des Kontext Instituts, sowiBaro Vicenta Ra Gabbert, Greenpeace-Sprecherin, Juristin und Autorin von “Keine Zukunft ist auch keine Lösung.” Moderiert von Katharina Kropshofer, Wissenschaftsjournalistin mit Schwerpunkt Umwelt und Gesellschaft, richtet das Panel den Blick auf wirtschaftliche Regeneration als demokratische Gestaltungsaufgabe zwischen politischer Blockade und konkreten Lösungsansätzen.

Zum Abschluss verbindet die investigative Lecture Performance „Propaganda“ Journalismus und Theater. Florian Skrabal, Mitgründer und Herausgeber der Rechercheplattform DOSSIER, bringt Methoden investigativer Recherche auf die Bühne und beleuchtet den Umgang mit Fakten, Fake News, parteinahen Medien und die Funktionsweisen moderner Propaganda.
 

Alle Sprecher:innen im Diskursprogramm 2026

Andrea Schöne (DE) | Andreas Förster (AT) | Anna-Verena Nosthoff (DE) | Baro Vicenta Ra Gabbert (DE) | Birgit Bachler (AT) | Cathryn Clüver Ashbrook (DE) | Chad Reichert (US) | Christian Schiffer (DE) | Daniela Pisoiu (AT) | Denise Helene Sumi (AT) | Dmitry Nekrasov (RU) | Douglas Rushkoff (US) | Elisabeth Kury (AT) | Florian Pirker (AT) | Florian Skrabal (AT) | Florian Troebinger (AT) | Georg Günsberg (AT) | Gilda Sahebi (DE) | Harald Gründl (AT) | Ilona Otto (AT) | Irina Nalis (AT) | Jol Thoms (CA) | Katharina Kropshofer (AT) | Martin Moder (AT) | Mary Maggic (US) | Samira Kossebau (DE) | Sarah Kriesche (AT) | Sebastian Kneidinger (AT) | Şeyda Kurt (DE) | Simon(e) van Saarloos (NL) | Stefan Lenglinger (AT) | Sven Biscop (BE) | Wolfgang Palaver (AT)