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Musik Guide 2025 - Von Sound-Explosionen und Klangmeditationen

Seit 21 Jahren präsentiert das Elevate zentrale und dezentrale Akteur:innen der zeitgenössischen Musik. Es spürt Trends auf und setzt neben etablierten Acts bewusst auf kommende Talente. 2025 bringt das Festival 72 lokale und internationale Acts auf die Bühne – verteilt auf zehn Venues in der Stadt. Neben bekannten Locations wie dem Dom im Berg oder dem Orpheum bereichern heuer die Helmut-List-Halle und der Grazer Dom das Programm. Die Vielfalt der Spielstätten spiegelt die Diversität des Line-ups wider: von Club zu Avantgarde, von wummernden Bässen zu minimalistischen Sound-Meditationen, von Artpop zu klangforschenden Kompositionen. Also: einfach eintauchen. Let’s drift together!

MITTWOCH

Unterhaltsames Opening im Orpheum

Die Eröffnung findet, wie es mittlerweile schon Tradition hat, im Grazer Orpheum statt. Hier gibt es neben den obligatorischen Reden und Danksagungen und einer Performance von Navaridas & Deutinger auch ein Konzert zu erleben. C.O.R.N.! , das Grazer Duo rund um den Schlagzeuger Patrick Wurzwallner und den Elektroniker Nick Acorne, holt sich dafür den Multiinstrumentalisten Vincent Pongracz, der unlängst mit dem österreichischen Jazzpreis ausgezeichnet wurde, zur Seite. Die humorvolle, ungezügelte Impro-Magic der Formation bietet den perfekten Einstieg in eine ereignisreiche Festivalwoche. Das Orpheum-Foyer wird währenddessen zum gemütlichen Hangout, wenn die Musikerin, Produzentin und DJ Monique Fessl anspruchsvolle Sounds mit Kitsch kontrastiert und dabei mit Ausflügen in die Musikgeschichte überrascht.

DONNERSTAG

Neoklassik und spekulative Fiktionen im Mausoleum, wilde Bands im Forum Stadtpark

Der erste reguläre Spieltag des Festivals stellt abstrakte Klänge in den Vordergrund und widmet sich ganz dem Experiment. Wir starten in den sakralen Gemäuern des Mausoleums. In diesem speziellen Setting wird Shida Shahabi zu erleben sein. Die von der Kritik umjubelte schwedische Komponistin, Pianistin und Musikerin bewegt sich zwischen Minimalismus und Neo-Klassik. Shahabi kombiniert in ihren atmosphärischen Werken klassische Klaviermusik mit modernen elektronischen Elementen und schafft eine Verbindung zwischen traditioneller und zeitgenössischer Musik. Auch die Vokalistin und Musikerin Antonina Novacka lässt Tradition und Moderne kollidieren. Ihre experimentellen Stücke sind von der unwahrscheinlich expressiven Stimme Novacka’s getragen, die sich an folkloristischen Gesängen unterschiedlichster Provenienz orientiert. Transzendent und spekulativ gestalten sich ihre geheimnisvollen Nummern. Mit Peter Stiegler gibt es dann ein Kontrastprogramm, denn der in Graz tätige Musiker und Komponist operiert vorwiegend mit Drones und rohen digitalen Sounds, die er zu reduzierten Klangbildern verwebt.



Wem der Sinn nicht nach Immersion, sondern nach Katharsis steht, wird im Forum Stadtpark mit dem nötigen Gegenprogramm versorgt. Darum kümmern sich allen voran EAERES. EAERES ist das neue, viel beachtete Metal-Bandprojekt der experimentellen Wiener Elektronik-Szene. Die als Supergroup gehandelte Formation, bestehend aus Katrin Euller (aka Rent), Leon Leder (fka Asfast), Karolina Preuschl und Ursula Winterauer (aka Gischt) bringt das düstere Genre mit störrischer Elektronik und treibenden Beats zusammen und verspricht dabei die ultimative Katharsis. Energetisch und dabei höchst konfrontativ ist die Performance von Pope Sangreta. Chin Tsao, geboren in Taiwan, galt die letzten Jahre als ein enfant terrible Wiens, ebenso angesagte:r bildende:r Künstler:in wie aufstrebender Musik-Act. Mittlerweile in Amsterdam stationiert, thematisiert Tsao in rasenden Performances prekäre Verhältnisse und den unverhohlenen Rassismus, mit dem sich Tsao regelmäßig konfrontiert sieht. Einem Exorzismus gleich werden abgründig-okkulte Sounds mit radikalem, ins Mark fahrendem Gesang, der von harschem Rap über Operngesang zu Growling reicht, kombiniert. Ähnlich kraftvoll tritt Saugbagger auf. Das Trio bringt dafür Hardcore Punk, Powerviolence und Free Jazz zusammen und setzt dabei erwartungsgemäß unwahrscheinliche Energien frei.

Synth-Pionierin Suzanne Ciani im Dom

Weiter geht es mit einem hochkarätigen Line-Up im Dom im Berg. Im letzten Jahrzehnt wurde einiges an Aufklärungsarbeit geleistet, um dem männlich dominierten Kanon der Frühphase elektronischer Musik etwas entgegenzusetzen. Pionierinnen der elektronischen Musik, wie Laurie Spiegel oder Maryanne Amacher wurde endlich die angemessene Wertschätzung zuteil. Eine von ihnen ist die Headlinerin der Donnerstag Nacht. Die US-amerikanische Komponistin und Musikerin Suzanne Ciani gilt als eine dieser frühen Koryphäen im Bereich der Synthesizer. Seit den 1970ern befasst sie sich nun schon mit dem Buchla, einem ikonischen Modular-Synthesizer und gilt als Alchemistin in ihrem Fach. Ciani wird am Elevate ein mehrkanaliges Live-Set im Dom im Berg präsentieren. Danach wird der US-amerikanische Musiker, Komponist und bildender Künstler Eli Keszler ein prognostizierbar intensives Live-Set präsentieren. Keszler gilt als eine:r der spannendsten Perkussionist:innen weltweit. Er bewegt sich an der Schnittstelle von zeitgenössischer Klassik, Avantgarde-Jazz und experimenteller Elektronik. Komplexe, polyrhythmische Patterns und ungewöhnlich feingliedrige Klang-Texturen bilden das Rückgrat seiner Nummern. Starten wird das Programm im Schloßberg mit den eigens für das, im Zuge der Nerd Nights für das Ambisonics-Soundsystem des Doms entstandenen, Kompositionen der in Graz stationierten Musiker:innen utopixel und Chloé Ryo. Abgerundet wird der Abend von einem DJ-Set des international beachteten DJs und Produzenten Simon Hafner aka Sun People.



FREITAG

Indietronica is back!

Bevor es Freitagnacht obligatorischerweise in den Schlossberg geht, lädt man zu Konzerten, die im Grenzbereich von Club und Pop stattfinden, ins Orpheum. Hier steht das Programm ganz im Zeichen von Indietronica zwischen Nostalgie-Pop, Funkel-Electronics und NYC-Electroclash. Eröffnet wird die Nacht von der in Wien stationierten Musikerin und Künstlerin Sofie Royer, die in der heimischen Musikszene schon lange keine Unbekannte mehr ist. In ihren, auf Stones Throw erschienenen Songs, kombiniert Royer eklektischen Pop mit experimentellen Klängen und Jazz-Elementen zu nostalgischen, von den Sounds der 1970er und 1980er Jahren inspirierten Vintage-Nummern, die regelmäßig die Charts erobern. Ihr folgt der Elektronik-Indie-Experimentalist Dan Deacon. Der in Baltimore stationierte Musiker, Produzent und Komponist für Videogames erlangte durch seine lebendig-verquirlten Nummern und interaktiven Live-Performances internationale Aufmerksamkeit. Seine Musik verbindet funkelnde Elektronik mit Indie-Pop und fügt dabei verspielte Melodien und treibende Rhythmen zu lebendigen Tracks, die vor guter Laune sprühen. Neben dieser Größe der Indietronica werden zwei als heiße Newcomer gehandelte Acts auftreten: Fat Dog ist innerhalb von vier Jahren zu einer der spannendsten Bands in der britischen Szene aufgestiegen. In ihren energiegeladenen, genre-sprengenden Nummern fusioniert die fünfköpfige Formation Elemente aus Punk, Jazz, elektronischer Musik und Dub zu überbordenden, ultra-musikalischen Songs. Und auch The Dare, das Solo-Projekt des New Yorker Künstlers Harrison Patrick Smith, der zuletzt als Produzent von Charlie XCX in Erscheinung getreten ist, wird derzeit gehyped. The Dare ist in der DIY-Szene Brooklyns groß geworden und hat sich durch eine überzeugende Mischung aus Indie-Rock, Dance-Punk und Elektronik schnell international einen Namen gemacht. Sein Sound ist stark vom Vibe des New Yorker Underground geprägt und inspiriert vom Post-Punk und Electroclash der 2000er. Eröffnet wird das Programm von DJ und NTS-Radiohost Lucia Kagramanyan, die Club-Sounds jenseits jeglicher Genre- und Ländergrenzen liefert und sich dabei leichtfüßig durch die Dekaden bewegt.

Neo-Psychedelisch im Orpheum Extra

Im Orpheum Extra geht es unterdessen weniger poppig, dafür umso trippiger zu, wenn das New-Age Duo Voyage Futur auf die Kosmische-and-beyond-Formation Gnoomes trifft. Voyage Futur nennt sich das New-Age-Projekt des musikalischen Tausendsassa und Liebkind der lokalen Szene, Wolfgang Lehmann (vormals Möstl) und der Musikerin Beate Lehmann. Gemeinsam referiert man nostalgisch auf den Sound der 1980er und lädt dabei zu einer bewusstseinserweiternden, haunted Séance. Als psychedelisch lässt sich auch die in Slowenien stationierte Formation Gnoomes bezeichnen. Die Band bewegt sich seit zehn Jahren durch unterschiedliche trance-induzierende Musikstile. Von Shoegaze zu Kosmische zu neuerdings auch Techno, entfaltet sich ihre Stärke in harmonisch dahin mäandernden und manchmal ins Epochale kippenden Tracks, die uns in ihren Bann ziehen.



MC-Legenden & UK-Vibes im Dom, House & Disco im Aiola Rooftop

Parallel dazu findet im Schlossberg bereits das Opening-Set der lokalen DJs Pharma und  Berry Hash statt, das zum Clubprogramm überführt. Headliner der Dom-Stage sind dann wohl die Super-Formation The Bug feat. Flowdan & MC Manga Saint Hilare. Hinter The Bug verbirgt sich der legendäre britische Musiker und Produzent Kevin Martin, der die UK-Sound-Landschaft seit den frühen 2000ern entscheidend mitgeprägt hat. Bekannt für seinen druckvollen und düsteren Sound, bewegt er sich zwischen den Genres Dub, Dancehall, Grime und Industrial. Sein Kollege Marc Veira aka Flowdan ist ebenso stilprägend. Der britische Grime-MC gilt als eine der Schlüsselfiguren der Grime-Szene und nimmt, v. a. als Teil der Crew Roll Deep, eine entscheidende Rolle in der Etablierung des Genres ein. Und auch Roll-Deep-Kollege MC Manga Saint Hilare spielt seit den frühen 2000er Jahren eine zentrale Rolle in der Entwicklung des Grime Genres. Hilare kombiniert die rohe Energie des Grime mit reflektierten, emotional aufgeladenen Stories. Mit MCdälek betritt ein weiterer namhafter MC die Bühne im Dom. Der US-amerikanische Künstler ist berüchtigt für seine brachialen Beats und dichten Industrial-Soundscapes, mit denen er sich als Pionier im düster-experimentellen Hip-Hop etabliert hat. Gemeinsam mit Mopcut, dem Trio rund um den renommierten in Wien ansässigen Drummer Lukas Kœnig, der US-amerikanischen Klangkünstlerin Audrey Chen und dem französischen Gitarristen Julien Desprez, kreiert man eine explosive Fusion aus dunklem Hip-Hop und avantgardistischem Noise-Jazz, getrieben von roher Energie und emotionaler Intensität. Nach dieser Sound-Explosion liefert Madam X ein DJ-Set, das die Ekstase auf den Dancefloor bringt. Die britische DJ, Produzentin, Label-Betreiberin und Radiohost hat sich durch ihre vielseitige Selection im Bereich von Techno, Breakbeat und Drum & Bass einen Namen gemacht. Ihre Sets zeichnen sich durch eine massive Energie aus, die auch deep und dunkel eingefärbt sein darf. Das DJ-Set von Tash LC wird im Gegensatz dazu definitiv uplifting. Ihre einzigartige Fähigkeit, Genres aus verschiedenen Teilen der Welt miteinander zu verbinden, führt von Afrobeat, Kuduro und Gqom, Dancehall und weiteren Stilen der Afro-Diaspora. Der lokale DJ Poldi wird die Nacht im Dom mit einem Dub- und UK-Bass inspirierten Set ausfaden.

Während es im Dom im Berg also Ungebändigtes, Tieffrequentes gibt, geht es im, am Gipfel des Schloßbergs befindlichen, Aiola-Rooftop leichtfüßiger zu. Hier übernimmt das Atropa Kollektiv die Leitung. Dessen DJs Attila und Goldberg versorgen uns mit hidden gems von afrikanischem Funk zu Italo Disco. Die beiden Lokalmatadore haben sich mit Tania Just, DJ, Refuge Worldwide Radiohost und Mitbetreiberin des Fandango Space in Berlin und der britischen Disco- und House-Koryphäe Mark Seven zwei internationale Gäste zur Seite geholt.

Techno-Bastion GRNGR

Die neu dazugekommene Spielstätte GRNGR verspricht unterdessen den leidvollen Verlust der Tunnel-Stage im Schloßberg wett zu machen. Auch hier wird parallel zum Dom ein Clubprogramm zu erleben sein. Dieses frönt dezidiert dem Techno-Hedonismus. Eröffnet wird die Nacht in dem ehemaligen Gasthaus mit einem DJ-Set von phloxx, schillerndes Aushängeschild des Grazer Party-Kollektivs Ultra Flair. Darauf folgt der in Wien stationierte A_Phan. Der Produzent Manuel Cyrill filtert harten, verspielt-einfallsreichen Techno aus seinem modularen Synthesizer und einer Drum Machine und das live! Mit Alex Wilcox wird dann einer der durchgeknalltesten Acts der Technowelt zu erleben sein. Witzig, schräg und schrill – der in Berlin stationierte Techno-Head ist der perfekte Entertainer. Wilcox hat sich mit seinen grenzwertig-waghalsigen Performances innerhalb kürzester Zeit einen Namen gemacht. Minimal, edgy und präzise ist sein Sound, eine prickelnde Mischung aus Techno, Industrial und Electro. Seine Kollegin u.r.trax gilt als eine der angesagtesten DJs, die Paris in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Von trippigem Techno über kalten, schnörkellosen Electro bis hin zu euphorischem Trance - u.r.trax’s Set sind abwechslungsreich, stilsicher, und kinky. Closing duties liegen bei dem DJ und “Euphoria”-Veranstalter DJ Hybris, der sich elegant von House zu Bass, Techno zu Jungle bewegt, also das Unmögliche möglich macht.



FREITAG & SAMSTAG

Das Pariser Acousmonium auf Residency in Graz

Geschichtsträchtig geht es am nächsten Tag im Minoritensaal weiter, wo das Pariser Acousmonium, ein einzigartiges, mehrkanaliges Lautsprecher-Orchester des legendären GRM Instituts, aufgebaut wird. Bereits ab Freitag wird dieses teils über Live-Set, teils mit zentralen Repertoire-Stücken der französischen Institution zum Leben erweckt. Der aus Nairobi stammende und in Berlin stationierte Joseph Kamaru erschafft als KMRU Klanglandschaften, die wie hypnotische Reisen durch urbane und natürliche Umgebungen führen und Field Recordings, flüchtige und konkrete Texturen werden zu evokativen Szenerien verweben. Auch Komponistin Jana Irmert erschafft fragile, unheimliche Klangwelten. In Drones, flüchtigen Melodien und assoziationsreichen Field Recordings fängt sie die Zerbrechlichkeit des Moments ein. Ihre Musik ist introspektiv und cineastisch, ein Echo zwischen innerer Tiefe und äußerer Weite. Die in Brüssel lebende Komponistin und Musikerin Christina Vantzou wird im Trio mit Irene Kurka (Stimme) und John Also Bennett (Flöten) auftreten. Vantzou’s minimalistische Arrangements und introspektiven Kompositionen sprechen eine subtile Klangsprache. Ihre Arbeiten sind oft von meditativer Langsamkeit geprägt und laden zu einem kontemplativen Zuhören ein. Ein gewisses deep listening fordern auch die Stücke des französische Klangkünstlers und Theoretikers François J. Bonnet ein. Der Leiter des Ina-GRM kreiert abstrakt-intime Stücke aus Field Recordings, Synthese und akustischen Texturen. Im krassen Gegensatz zu ihren Kolleg:innen operieren Mark Fell & Rian Treanor. Mark Fell dekonstruiert mit chirurgischer Präzision die Regeln von Rhythmus und Harmonie. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen algorithmischer Elektronik, minimalistischer Klangkunst und House. Mit radikaler Klarheit schafft er komplexe Strukturen, die gleichzeitig zerebral und körperlich sind. Sein Sohn Rian Treanor zerlegt wiederum UK-Club-Genres von Garage bis Jungle, um diese als fieberhafte, unvorhersehbare Rhythmen wieder zusammenzusetzen. Als lokaler Künstler wurde der Klang-Tüftler Fabian Lanzmaier eingeladen, der ein im Zuge seiner Residency in Paris entwickelte Stück für Acousmonium präsentieren wird. Und auch zwei Arbeiten von Studierenden des Grazer IEM wurden nach einem Open Call für das Programm ausgewählt. So werden wir ein Stück der ukrainischen Komponistin, Musikerin und Produzentin Katharina Gryvul und eine Komposition des Musiker Lars Tuchel zu hören bekommen. Gerahmt wird das anspruchsvolle Experimental-Programm von Spatialisierung ausgewählter GRM-Repertoire Stücke der Kult-Komponisten Bernard Parmegiani und François Bayle und der aufstrebenden französischen Komponistin Éve Aboulkheir  und einem eintägigen Workshop.



SAMSTAG

The Blessed Madonna, Goldie und Helena Hauff – Elevate Rave in der Helmut-List-Halle

2025 konnte erstmals die imposante Helmut-List-Halle als eine der Hauptspielstätten des Festivals gewonnen werden, in der heuer der Elevate Rave stattfindet. Das Samstagabend-Programm wartet hier mit großen Namen auf. Allen voran wird The Blessed Madonna für einen Auftritt nach Graz kommen. Die US-amerikanische DJ, Produzentin, und Musikerin zählt zu den einflussreichsten Figuren der zeitgenössischen Popkultur und hat nicht nur als Kollaborateurin von Dua Lipa für Schlagzeilen gesorgt. Bekannt für ihre Genre-übergreifenden DJ-Sets und Produktionen, verbindet sie nahtlos House, Disco, Techno, Funk und Pop. Ihre energetischen Auftritte bleiben in Erinnerung und entfesseln Fans weltweit. Nachdem es letztes Jahr krankheitsbedingt nicht geklappt hat, dürfen wir uns dieses Jahr umso mehr auf ihren Auftritt in Graz freuen: Helena Hauff. Die deutsche Produzentin und DJ gilt zu Recht als eine der skill- und stilvollsten Akteur:innen ihres Metiers. Ihre am Electro ausgerichteten DJ-Sets sind makellos, ihre Performance von einer unwahrscheinlichen Coolness und Nonchalance. 100% Vinyl lautet hier die Devise und das ist rar. Anschließend betritt der italienische Produzent Lorenzo Senni die Bühne. Senni nahm vor einer Dekade das Trance-Revival vorweg und begeistert mit seinen Endorphin-treibenden Live-Sets die Menge. Das Closing-Set fällt den Zenker Brothers zu. Das Münchner DJ- und Produzenten-Duo, Labelbetreiber des einflussreichen Labels Ilian Tape, verbindet rohe Energie mit hypnotischer Präzision und schafft es dabei, Techno, Breakbeats und Dub ineinandergleiten zu lassen.

Um einiges konfrontativer als in der Halle B geht es in der Halle D zu. Bühnen-Headliner ist hier niemand Geringerer als Goldie. Goldie, eine Ikone der britischen Musikszene, hat Drum and Bass mit seinem einzigartigen Sound und visionären Produktionen nachhaltig geprägt. Typisch für seine Produktionen ist die Verbindung komplexer Breakbeats mit atmosphärischen Melodien und deepen Basslines. Als Gründer des Labels Metalheadz brachte er stilprägende Künstler heraus und etablierte das Genre auf der globalen Bühne. Ebenso kompromisslos, wenngleich viel unnachgiebiger und angriffiger in der Delivery ist der kenianische Musiker Lord Spikeheart. Mit seiner Kombination aus Grindcore, Industrial, glitchy Elektronik und aggressivem Spoken Word rebelliert er gegen das Unrecht auf der Welt. Dabei verschmilzt er traditionelle, afrikanische Elemente mit wütenden Lyrics zu radikalen Klangwelten. Auch Takkak Takkak treiben die Global Sounds voran. Das Duo, bestehend aus Shigeru Ishihara (alias Scotch Rolex) und Mo’ong Santoso Pribadi, verbindet traditionelle indonesische Gamelan-Rhythmen mit elektronischen Beats und Noise-Elementen zu einer polyrhythmischen, explosiven Performance. Die Sounds handgefertigter Instrumente kollidieren mit treibenden Bässen und angezerrten Vocals und laden das Publikum dazu ein, in ein tranceartiges, grenzüberschreitendes Ritual einzutauchen. Wer einen tieferen Einblick gewinnen möchte, kann an einem 2-tägigen Workshop mit dem Instrumentenbauer Mo’ong Pribadi teilnehmen, in dem gemeinsam Klangobjekte entwickelt werden. Mit Hilfe von Kontaktmikrofonen und einfacher Elektronik verwandeln die Teilnehmenden Alltagsgegenstände in Instrumente jenseits der Konventionen traditioneller Musik.



Lokale Unterstützung bekommt das illustre Line-Up durch das die Rave-Kultur feiernde Duo FF2P aka Felix Roth und DJ Vibekiller – Vinyl only lautet die Devise –, dem sich von Post-Club über Wave zu Bass bewegenden Flausch-Kollektiv-Mitglied Užas!, den international ausstrahlenden Drum’n’Bass Produzenten Geostatic und der aus Wien angereisten DJ Diamond, die das Publikum mit Hardcore-Bangern zum Beben bringt. Für ein ganzheitliches Erlebnis sorgen die Medienkünstler Werner Huber und Roland Mariacher, die als MO:YA ein Grazer Kreativstudio betreiben und in ihren Live-Visuals den Real-Raum mit digitalen Welten verschmelzen.

… und wem das nicht genug ist

Die Nacht zum Tag machen wir auf der Afterhour, die zwischen 6:00 und 16:00 im Parkhouse stattfindet. Hier wird die nimmermüde Partycrowd von den DJs Ciao Ciao, Feelx, Apua, Milès Borghese und Grace Schella mit uplifting Sounds von House über Electro bis Breaks zum Weitertanzen bewegt. Und auch tanzfreudige Frühaufsteher:innen kommen hier auf ihre Kosten.

Kali Malone & Joachim Roedelius – Fulminanter Abschluss im Grazer Dom

Ausgeschlafen oder nicht, der Besuch des Abschlusskonzerts sei jede:r ans Herz gelegt, verspricht das Festival-Finale im Grazer Dom doch ein besonderes Highlight zu werden. In diesem mächtigen gotischen Kirchenbau werden mit Kali Malone und Joachim Roedelius zwei meisterhafte Musiker:innen zu erleben sein. Roedelius gilt als einer der Vaterfiguren des Krautrock. Der inzwischen 90-jährige deutsche Musiker und Komponist wurde durch seine Arbeit in den einflussreichen Kosmische-Formationen Cluster und Harmonia bekannt, deren Genres keinen Geringeren als David Bowie in seiner Berlin-Phase inspirativ beeinflussten. Im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere hat er mit Künstlern wie Brian Eno, Michael Rother und Tim Story gearbeitet und dabei einen unverwechselbaren Stil entwickelt, der Intuition und Emotionalität in den Mittelpunkt stellt. Während Roedelius am Klavier zu hören sein wird, wagt sich Malone an die Dom-Orgel. Die US-amerikanische Komponistin und Musikerin ist in den letzten Jahren zu einer der meistbeachteten Stimmen im Feld der Minimal Music aufgestiegen. Malone erforscht die Relation von Harmonie, Textur und Tonalität und verschiebt dabei unsere Wahrnehmung von Zeit und Raum. Sie wird begleitet von ihrem Ehemann Stephen O’Malley, den man aus der einflussreichen Drone-Metal-Formation Sunn O))) kennt. Entschleunigung lautet das gemeinsame Motto, das uns an diesem Sonntagabend glücklich und erschöpft entlässt.