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Rückblick Elevate Festival 2017

In den Abendstunden des Sonntag, 05. März ist die dreizehnte Ausgabe des Elevate Festivals mit dem Abschlußkonzert von Stephen O'Malley im Orpheum Extra zu Ende gegangen. Der neue Termin am Jahresanfang wurde durch das sehr hohe Publikumsaufkommen und großes Medieninteresse bestätigt. Dieses Jahr stand das Festival im Zeichen von “Big Data, Quantifizierung und Algorithmen“, neben dem sehr gut besuchten Musik- und Diskursprogramm waren auch Kunstinstallationen als neue Elemente Teil des Programms.

Eröffnung

Im Rahmen der gut besuchten Eröffnungsnacht am Mittwoch wurden zunächst teilnehmende Diskursgäste, wie zum Beispiel Francesca Bria, der Aktivist Aslak Holmberg oder der Künstler Manuel Beltran vorgestellt. Danach beleuchtete der international renommierte Wissenschaftler Evgeny Morozov in seiner mitreißende Eröffnungsrede Hintergründe zu aktuellen Entwicklungen im Kontext des Festivalthemas. Zwischendurch gab es musikalische Einlagen vom A/V-Künstler Oravin und von der auch im Diskursbereich des Festivals teilnehmenden Journalistin Barbara Wimmer. Das anschließende Musikprogramm wurde von dem weltbekannten Sónar Festival präsentiert: Hier lieferten der Wiener Zanshin und die Videokünstlerin Alba G. Corral eine imposante A/V-Show ab während das amerikanische Duo KNOWER und D.J. Detweiler auf hintersinnige Weise zum Tanzen anregten.

Diskursprogramm 2017

Bei frühlingshaften Temperaturen fanden sich in den anschließenden Tagen  Gäste zu Diskussionen, Workshops und Filmvorführungen im Forum Stadtpark ein. Auch dieses Jahr wurden wieder vielfältige gesellschaftspolitische Fragen im Rahmen von Workshops, Diskussionsrunden, Panels und Filmvorführungen behandelt. Am Donnerstag wurde besonders die Diskussion “From Smart Cities to a City of Commons“ mit großem Interesse aufgenommen - hierzu stellten sich u.a Menschenrechtsaktivistin Renata Avila, Evgeny Morozov und Autor Duncan McLaren den Fragen sozialer Innovation und diskutierten neue Formen demokratischer Mitbestimmung und Mitgestaltung der Lebenswelt.

Ein weiterer Diskussionsgegenstand des diesjährigen Elevate Festivals war die sogenannte Quantifizierung der Natur, zu der u.a. am Freitag ein Vertreter der indigenen Bevölkerung Finnlands Aslak Holmberg, der Anthropologe Tommy Ose und Inge Fiala diskutierten. In diesem Zusammenhang erklärten sie aktuelle Entwicklungen, gingen auf die unterschiedlichen Zugänge zur Natur ein und thematisierten die internationale Solidarität indigener Völker.

Am Samstag fand der Stadtrundgang zum Thema Algorithmen im öffentlichen Raum regen Anklang: Zahlreiche Interessierten begaben sich gemeinsam mit dem Host eSeL auf einen Spaziergang durch die Stadt  und sahen im Zuge dessen die Eröffnungen der Installationen Painted by Numbers, Drone Shadow und Speculative Capital. Die Installationen sind noch bis 10 März zu sehen.

Auf viel Resonanz stieß wie erwartet die Diskussion am Sonntag mit dem international bekannten Internetaktivisten Max Schrems, der mit der ebenso anerkannten Journalistin Ingrid Brodnig und der Sozialwissenschaftlerin Julia Krüger über die Rolle und die Verantwortung von Medien in Zeiten von Big Data debattierte.

Musikprogramm 2017

Nach der musikalisch abwechslungsreichen Eröffnungsnacht gab es am Donnerstag im Forum Stadtpark experimentellere Zwischentöne zu hören: Im Rahmen der Dunkelkammer traten die  KlangkünstlerInnen Kutin/Kindlinger und Susanna Gartmayer auf. Davor präsentierte der Programmpartner hoergeREDE mit “SUPERANDOME“ die Uraufführung einer Arbeit der jungen Grazer Dramatikerin Natascha Gangl in Form eines Vier-Kanal-Live-Hörstücks statt, das gemeinsam mit den KlangarchitektInnen von Rdeca Raketa produziert wurde.

Einer der Höhepunkte der ausverkauften Freitagnacht war der Aufritt von Jenny Hval im Dom im Berg: Die Norwegerin, die tags zuvor den renommierten Nordic Music Prize für ihr Album Blood Bitch erhalten hatte, zog mit ihrer zerbrechlich-schönen Stimme und mit ihren intimen und teils schwermütigen Texten das Publikum in ihren Bann. Nach dem ebenfalls sehr eindringlichen Konzert von Tropic of Cancer, der Dark Wave-Formation rund um Camelia Lobo, lieferte Publikumsmagnet Jon Hopkins ein tanzbares und hypnotisches DJ-Set ab. Währenddessen übererfüllten am Tunnel Floor Shackleton, A Made Up Sound und Ancient Methods mit ihren genresprengenden Sets alle Erwartungen.

Am Samstag, der ebenfalls bereits im Vorverkauf ausverkauft war, kamen im Dom im Berg Detroit-Techno Fans auf ihre Kosten. Das Wiener Duo Pulsinger & Irl lieferte vor einer bereits gut gefüllten Tanzfläche ein perfektes Live-Set zwischen Dub- und Acid Techno ab. Nach der grandiosen Live-Show von Paranoid London, die stlistisch in eine ähnliche Kerbe schlugen und das Stimmungslevel erneut hoben, übernahm schließlich Techno-Urvater und Headliner des Abends, Juan Atkins mit einem sehr variantenreichen Set die Bühne. Gleichzeitig fand die Different Circles Labelnight im Tunnel statt, wo es schleppende Beats, flirrende Melodien und dröhnende UK-Bässe bis in die frühen Morgenstunden zu hören gab. Der Dungeon-Floor zeichnete sich durch eine musikalisch große Bandbreite aus: Neben Lorenzo Sennis herausragendem Live-Act, der zwischen rhythmischen Drumsequenzen und ravig-trancig zerhackten Flächen oszillierte, zeichnete sich auch SØS Gunver Ryberg, die mit einer vielschichtigen Soundcollage das Publikum faszinierte, als Highlight des Abends ab.

Das Abschlusskonzert am Sonntag im Orpheum Extra war ein Hörerlebnis für sich und sorgte für einige Überraschungsmomente. Der Formation Hungtai / Maranha / Ferrandini gelang der Spagat zwischen Experimental-Free-Jazz und Noise-Rock und lieferte ein schlüssiges sowie kontrastreiches Konzert ab. Auch die Wiener Kult-Band Radian beeindruckte mit einer dichten Verquickung und Überlagerung von klanglichen und tonalen Elementen. Der angekündigte Höhepunkt des Abends war das dezibelträchtige Konzert von Stephen O‘Malley, der das Publikum mit formvollendeten Drone-Flächen, fragmentartigen Gitarren-Riffs und frickelnden Störgeräuschen fesselte.

 

Das nächste Elevate Festival wird von 1. bis 4. März 2018 in Graz stattfinden. Im letzten Jahr der Kooperationsinitiative We Are Europe werden das Reworks Festival aus Thessaloniki und das TodaysArt aus Den Haag in Graz zu Gast sein.

Die Organisatoren Bernhard Steirer, Daniel Erlacher und Roland Oreski bedanken sich bei allen FestivalbesucherInnen, einem großartigen MitarbeiterInnen-Team sowie bei Medienpartnern, Förderern und Sponsoren.


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